Die „Superposition“ ist eine überwiegend im Unterbewusstsein verankerte Grundhaltung, die sich im Laufe des Lebens durch Erziehung, Erfahrungen, Umwelteinflüsse und Reflexion herausgebildet hat. Auf dieser zumeist unbewussten Basis treffen wir täglich unsere Entscheidungen – oft, ohne sie je zu hinterfragen.
Der Begriff selbst hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Ursprünglich entstand er im Französischen, um Überlagerungen physischer Zustände zu beschreiben. Zunächst war es der dänische Naturforscher Nicolaus Steno, der das Superpositionsgesetz formulierte: Es besagt schlicht, dass bei ungestörten Gesteinsschichten die oberen Schichten jünger sind als die unteren. Im 18. und 19. Jahrhundert sprachen dann Mathematiker und Physiker – Daniel Bernoulli und Thomas Young – von einer „Superposition“, als sie herausfanden, dass sich Wasser- oder Lichtwellen überschneiden können, ohne sich gegenseitig zu stören. Mit der Quantenmechanik (ab ca. 1925) vollzieht der Begriff dann einen radikalen Bruch: Superposition beschreibt kein physisches Überlagern mehr, sondern die Überlagerung von Wahrscheinlichkeiten. Ein Teilchen befindet sich so lange in einer Superposition – kann also mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen –, bis eine Messung stattfindet. Erst dann kollabiert die Superposition des Teilchens und „materialisiert“ sich gewissermaßen zu einem einzigen Zustand.
Die Bibel kennt das Wort „Superposition“ nicht. Und doch ist sie ein Schlüsselthema der Bibel – ein roter Faden, der sich von der Genesis bis zur Apokalypse durch den biblischen Quellcode zieht.
Wenn Jesus auf dem Berg – das Volk zu seinen Füßen – seine Programmatik verkündet, fordert er die Menschen im Kern zu einem radikalen Bruch auf: Ändert euer Selbstbild. Denn genau dieses Selbstbild ist die entscheidende Komponente der eigenen Superposition.
Er sagt nicht herablassend bemitleidend: „Ach Gott, wie arm und unterdrückt ihr doch seid.“ Er bricht die Logik des Mangels auf und konfrontiert sie mit einer Wahrheit, die einen völlig anderen Geist atmet:
„Ihr seid das Salz der Erde […] Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf den Lampenständer, und sie leuchtet allen, die im Hause sind.“ (Matthäus 5, 13–15)
Das ist das genaue Gegenteil dessen, wie seine Zuhörer sich selbst sahen: als unbedeutend, geschunden, versklavt und ohnmächtig, einer feindlichen Welt ausgeliefert. Im Kern sagt die Bergpredigt: Ändert eure Superposition. Lernt, euch als „Kinder Gottes“ – als geistige Entitäten – neu zu sehen und wertzuschätzen. Das wird alles ändern.