Die Gesamtheit der biblischen Texte betrachten wir hier nicht als einen linearen Lese-Text, sondern als ein hochgradig vernetztes, selbstreferenzielles Informationssystem. Bücher, Gleichnisse und Symbole fungieren als relationale Knotenpunkte (Nodes), die sich permanent spiegeln, variieren und gegenseitig erläutern.
Diese Intertextualität ist mehr als eine literarische Stilform: Als strukturelle Architektur des einen Logos entfaltet sie sich als mehrdimensionale Matrix. Das Aufgreifen früherer Textfragmente durch spätere Autoren entspricht dem Aufruf von Sub-Protokollen innerhalb eines offenen Quellcodes, dem „Buch des Lebens“. Es gleicht jenem „Netz, das in das Meer geworfen ist und von jeder Gattung zusammenbrachte“ (Matthäus 13,47).
So erfasst und überlagert das „Netz“ des Geistes alle Bereiche der Wirklichkeit und schließt den Leser mit ein. Sinnzusammenhänge werden nicht bloß erinnert, sondern im Bewusstsein des Empfängers dynamisch neu berechnet und aktiviert.